Geschichte der Stadt Rüsselsheim
6. bis 8. Jahrhundert
Die fränkische Siedlung Rüsselsheim entsteht um 830. Erste schriftliche Erwähnung des Ortes "Rucile(n)sheim" im Lorscher Reichs-Urbar. Die Einwohner unterstehen dem König direkt und sind zu Abgaben verpflichtet.
12. bis 14. Jahrhundert
Güter und Rechte betreffend Rüsselsheim sind vom König an verschiedene Herren als Lehen vergeben. Die Bauern sind nun meist Leibeigene der verschiedenen weltlichen und kirchlichen Herren.
1399
wird ein "Festes Haus" der Grafen von Katzenelnbogen erwähnt, dessen Fundamente sich im Innenhof der Rüsselsheimer Festung befinden. Die Städte Mainz und Frankfurt protestieren gegen die Anlage beim Reich als einer vermeintlichen Zollstätte.
1407
Rüsselsheim ist Amtssitz in der Obergrafschaft Katzenelnbogen.
1435
Eine Rüsselsheimer Kellereirechnung belegt den Anbau von Weinreben der Rebsorte Riesling. Dies stellt die bisher früheste bekannte Erwähnung der Rebsorte dar.
1437
Kaiser Sigmund erteilt den Grafen von Katzenelnbogen das Privileg für den Bau einer Burg. Die Einwohner müssen die Gebäude und Befestigungsanlagen durch Abgaben mitfinanzieren. Gleichzeitig erhält der Landesherr das Privileg, Rüsselsheim zur Stadt zu erheben.
1479
Nach dem Tod des letzten männlichen Nachfolgers der Katzenelnbogener wird ihre Grafschaft vom Landgrafen von Hessen besetzt; Rüsselsheim wird hessisch. Die Burg wird allmählich zur Festungsanlage ausgebaut und mit großen Frucht- und Mehlspeichern versehen.
1547
Wegen der Niederlage Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen im Schmalkaldischen Krieg wird die Festung Rüsselsheim geschleift.
1560
Beginn des Wiederaufbaus, für den Steine in Bauschheim gebrochen werden. Rüsselsheimer Bauern müssen Fuhrdienste leisten, um das Material herbeizuschaffen.
1631
Im Dreißigjährigen Krieg wird die Festung unter schwedische Besatzung gestellt. Zwei Jahre später erhält der neutral gebliebene Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt die Festung zurück. In den Folgejahren wird das Dorf Rüsselsheim mehrmals von schwedischen Dragonern und Musketieren überfallen, die sich Nahrungsmittel beschaffen wollen.
1686
Die Marktrechte werden erneuert, in Rüsselsheim finden nun jedes Jahr zwei Jahr- und Viehmärkte statt.
1688
Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wird die Festung von französischen Truppen eingenommen und bei deren Abzug 1689 durch Minen so stark zerstört, dass sie nicht mehr zu Verteidigungszwecken zu gebrauchen ist.
1786
Ein Reisender berichtet von einer "Pelzscherfabrik" in Rüsselsheim, die auch als Hasenhaarschneiderei bekannt wird.
19. Jahrhundert
Entstehung mehrerer Manufakturen und Fabriken. Die Bevölkerung des Ortes wächst stark an.
1811/27
Alle Rüsselsheimer werden durch Aufhebung der Leibeigenschaft im Großherzogtum Hessen freie Bürger.
1819
1821
Auflösung des Amts Rüsselsheim, der Ort wird in das Amt Dornberg eingegliedert.
1832
Eingliederung in den Kreis Groß-Gerau.
1821/36
werden Gesetze erlassen, die die Bauern von der Grundrente befreien. Die Ablösebeträge für das Land sind so hoch, dass viele verschulden.
1845
1846
Katastrophale Missernte führt im Großherzogtum Hessen zu einer großen Hungersnot.
1848
Mit dem "Gesangverein Liederkranz" wird in Rüsselsheim der erste Verein gegründet. Bereits 1854 fand eine Neugründung statt. Nach 1861 veranstaltet der Gesangverein Liederkranz alljährlich sein Stiftungsfest am Tage von Schillers Geburtstag.
1851
berichtet die in Rüsselsheim stationierte Gendarmerie, dass mehrere Rüsselsheimer Bürger einen "Gesellschaft-Verein" gebildet hätten. Dieser sollte in der Folgezeit überwacht werden, da gemeinsam politische Schriften gelesen und diskutiert wurden.
1855
Die ersten mit Rüböl brennenden Straßenlaternen werden aufgestellt.
1862
Der Rüsselsheimer Schlossersohn Adam Opel lässt sich nach seiner Wanderschaft als "Mechaniker" in seiner Heimatstadt nieder und beginnt Nähmaschinen herzustellen.
1863
Gründung eines Arbeiterbildungsvereins durch den Rüsselsheimer Fabrikanten Ferdinand Stuttmann.
1863
ein "Spar- und Vorschuß-Verein" wird in Rüsselsheim gegründet, die Gründer sind hauptsächlich Handwerker und Gewerbetreibende. Später wird aus diesem Verein die Volksbank werden.
1863
1869
Adam Opel lässt seine erste Fabrik mit Dampfmaschine an der Eisenbahnlinie bauen und verlässt mit seiner Werkstatt den alten Ortskern. Er führt in Rüsselsheim die fabrikmäßige Produktion von Nähmaschinen ein, die er „auf Wanderschaft" in Paris kennen gelernt hatte. Knapp 20 Jahre später werden in seiner Fabrik von einer wachsenden Arbeiterschaft auch Fahrräder produziert.
1877
Stiftung eines Volksbildungsvereins.
1879
Das Rüsselsheimer Marktschiff stellt seine Fahrten ein.
1863
1889
Erster katholischer Gottesdienst im evangelisch dominierten Ort Rüsselsheim, organisiert vom im selben Jahr gegründeten Katholischen Männerverein.
1891
Gründung eines Ortsvereins des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes.
1895
besteht ein Arbeiter-Wahlverein, die Rüsselsheimer Arbeiterbewegung erlangt jedoch erst nach der Jahrhundertwende Einfluss auf die Kommunalpolitik.
1898
Das Rüsselsheimer Elektrizitätswerk geht ans Netz.
1899
Das erste Auto, nach dem "System Lutzmann" gebaut und noch "Motorwagen" genannt, verlässt die Werkstatt von Opel. Erst vier Jahre später wird aber in Zusammenarbeit mit der französischen Firma Darraq eine nennenswerte Anzahl von Fahrzeugen hergestellt.
1902
Zur Unterstützung armer Waisenkinder wird in Rüsselsheim ein "Waisenschutz-Verein" gegründet.
1902/03
Bau der ersten katholischen Kirche, die im Sommer 1903 eingeweiht wird.
1903
Nach Erlass eines Gesetzes zur Wohnungsfürsorge im Großherzogtum, das Baugesellschaften auch zu Krediten für den Bau von billigen Kleinwohnungen verspricht, wird in Rüsselsheim die "Gemeinnützige Baugesellschaft" gegründet. In anderen Orten und Städten von Unternehmern oder Politikern ins Leben gerufen, wird sie in Rüsselsheim von drei Opelarbeitern initiiert. Nach aufwendiger Überzeugungsarbeit gelang es ihnen, die Unterstützung des Gemeinderates zu bekommen. Die ersten Häuser entstehen in der Weinbergstraße.
1904
Mit dem "Gesangverein Vorwärts" wird der erste Arbeiterkulturverein gegründet.
1905
Der Rüsselsheimer "Heimatverein" entsteht.
1909
Zum ersten Mal wird ein Sozialdemokrat zum Beigeordeten gewählt, darf aber wegen seiner Parteizugehörigkeit sein Amt nicht antreten.
1911
Ein Großbrand vernichtet einige Werkshallen der Firma Opel und zieht die Einstellung der Nähmaschinenproduktion nach sich.
1912
Gründung des Gewerkschaftskartells Rüsselsheim als Zusammenschluss von sieben Berufs- oder Fachgewerkschaften.
1914
Mobilmachung für den Ersten Weltkrieg; die Firma Opel produziert unter anderem Flugmotoren für die Reichswehr.
1918/19
Bei Ende des Krieges ist Rüsselsheim französisch besetzt. Ein Arbeiter- und Bauernrat gründet sich, der sich vor den ersten Wahlen zur hessischen Volkskammer im Januar 1919 wieder auflöst.
Um 1923
1919/23
Eine separatistische Bewegung in Rüsselsheim und Umgebung tritt mit französischer Unterstützung für die Gründung einer Rheinischen Republik ein.
1924
Das erste Fließband wird bei der Firma Opel aufgebaut.
1926
Durch einen Vertrag mit dem Mainzer Überlandwerk erhält Rüsselsheim über ein Rohrsystem erstmals Gas.
1928
Einrichtung der kommunalen Wasserversorgung - bis dahin war Wasser nur am Brunnen oder mit privat installierten Pumpen zu haben.
1928
1929/31
Opel wird vom amerikanischen Automobilkonzern General Motors in zwei Schritten gekauft.
1933
Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler werden in Rüsselsheim schon im April die ersten sozialdemokratischen Beamten entlassen. Die Stimmen anwesender Gemeinderatsmitglieder der KPD werden bei Abstimmungen nicht mehr gezählt. Mitglieder der Arbeiterbewegung werden in "Schutzhaft" genommen und in das Konzentrationslager Osthofen gebracht. Bald darauf werden auch in Rüsselsheim Bücher verbrannt.
1937
Rüsselsheim feiert 500-jähriges Stadtjubiläum; die Stadtrechte werden erneuert.
1938
Während der Reichspogromnacht wird die Synagoge von Rüsselsheimer Nationalsozialisten verwüstet.
1940/42
Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter werden in Rüsselsheim eingesetzt, um die Kriegsproduktion aufrecht zu erhalten, aber auch um kleinere Geschäfte und kinderreiche Familien zu unterstützen. Hinter der Stadt in Richtung Bischofsheim entsteht ein Lager, das mit Stacheldraht abgezäunt ist. 1942 und 1944 fallen viele dort Internierte den Bombenangriffen der Alliierten zum Opfer.
1942
Walter Rietig, Mitglied einer antifaschistischen Widerstandsgruppe innerhalb der Opelwerke, wird in Berlin hingerichtet.
1942
Die letzten vier jüdischen Familien Rüsselsheims werden verhaftet und deportiert.
1944
Bei schweren Luftangriffen der Alliierten auf Ölanlagen und die Flugzeugindustrie werden viele Gebäude der Firma Opel, die hauptsächlich Flugzeugteile für die Wehrmacht herstellt, zerstört. Aber auch weite Teile der Stadt werden getroffen.
1945
Am 25. März besetzen US-Amerikanische Truppen Rüsselsheim, zwei Tage nach ihrer Rheinüberquerung.
1945
Im April beginnen die Aufräumarbeiten bei Opel mit zunächst etwa 600, bald schon tausend Beschäftigten.
1945
Im September tagt erstmalig der Rüsselsheimer Bürgerrat. Zur Unterstützung des Bürgermeisters werden sechs Ausschüsse gebildet, die sich ehrenamtlich mit der Organisation der Finanzen, Fürsorge, Bau, Wohnungen, Wirtschaft, Sport und Schule befassen.
1946
Die "Kulturgemeinde Rüsselsheim" veranstaltet Symphoniekonzerte.
1946
Erste Gemeinderatswahlen nach dem Zweiten Weltkrieg.
1946
Die "Opel-Brücke" wird als erste Brücke der Westzonen wiederaufgebaut.
1947
"CARE"-Paketspende für Opelkinder, finanziert von den Arbeitern der Automobilwerke des General Motors Konzerns in den Vereinigten Staaten.
1950
1950/51
Die erste Spielzeit des städtischen Theaterrings wird eröffnet, die Vorstellungen finden in der Stadthalle statt.
1951
Hessischer Metallerstreik, an dem sich die Belegschaft der Opelwerke beteiligt.
1951
Das Dorf Haßloch wird eingemeindet.
1954
Die Stadt Rüsselsheim kauft die Festung vom Land Hessen.
1956
Eingemeindung Königstädtens.
1959
Eröffnung der Stadtunterführung.
1960
Erste Planungen, ein "Polytechnikum" - später als Fachhochschule eingerichtet - in Rüsselsheim zu gründen um die Fortbildung in Maschinen- und Metallberufen zu ermöglichen.
1961
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges fanden 7.022 Flüchtlinge Aufnahme in Rüsselsheim.
1961
Evreux (Frankreich) wird Rüsselsheims Partnerstadt.
1969
Im September wird das Rüsselsheimer Stadttheater eingeweiht.
1970
Eingemeindung Bauschheims.
1976
Rüsselsheim erhält ein eigenständiges Amtsgericht.
1976
Mit der Abteilung "Industrialisierung" wird das Museum der Stadt Rüsselsheim eröffnet.
1977
Rugby (Großbritannien) wird Rüsselsheims Partnerstadt.
1979
Als Stadt mit über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner wird Rüsselsheim Sonderstatusstadt und erhält damit auch einen Oberbürgermeister.
1979
Varkaus (Finnland) wird Partnerstadt Rüsselsheims.
1980
Das Museum der Stadt Rüsselsheim erhält den Preis des Europarates für die vorbildliche Darstellung der Beziehung zwischen Gesellschaft und Industralisierung.
1981
Im Sinne einer völkerverbindenden Freundschaft und europäischen Partnerstadt erhält Rüsselsheim vom Rat der Gemeinden Europas die Europafahne.
1985
Die Adam Opel AG verfügt über die modernste Fertigungsanlage Europas.
1991
Kecskemét (Ungarn) wird Partnerstadt Rüsselsheims.
1992
Eröffnung der neuen Feuerwache am Rugbyring.
1994
Fertigstellung des "City-Forum Eichsfeld".
1995
Eröffnung Rathausanbau.
Gründung der Bürgerstiftung Festung anlässlich des 100. Todestages von Adam Opel.
Gründung der Elinor-Kirchner-von-Opel Stiftung.
Gründung der Adam-Opel-Stiftung Eröffnung des Alten- und Pflegeheims "Martin-Niemöller-Haus".
1996
Einweihung des neuen Behördenhauses (Amtsgericht/Katasteramt).
1998
Einweihung der neuen Unternehmenszentrale der Adam Opel AG.
2000
Umbau des Hallenbads zum Freizeit- und Erlebnisbad.
2001
Gründung der Stiftung Opelvillen als Kunstzentrum.
2002
Inbetriebnahme des neuen "Leanfields" bei der Adam Opel AG (modernstes Automobilwerk der Welt).
2003
Eröffnung der Opelvillen als Kunstzentrum mit Ausstellungen und Kulturveranstaltungen.
Der südkoreanische Autobauer Hyundai Motor Europe siedelt sich mit den Bereichen Forschung, Entwicklung und Design im Rüsselsheimer Gewerbepark "Blauer See" an.
2004
Eröffnung der neuen Hauptabteilung "Rüsselsheim ab 1945" des städtischen Museums.
2006
Einweihung des neuen Bahnhofs und Bahnhofsplatzes. Zur Fußball-Weltmeisterschaft wird der Platz erstmals mit der Großleinwand der "Heimspiel-Arena" und Kulturprogramm bespielt.
Geschichte wird in der Festung noch greifbarer: Das Ostrondell und die Wallanlagen werden für die Besucher geöffnet.
2007
Fünf Automarken entwickeln in Rüsselsheim ihre neuesten Modelle. Neben Hyundai, Kia, Opel und Saab ist nun auch Chevrolet in Rüsselsheim zuhause.









